Wer Künstliche Intelligenz kompetent nutzen möchte, muss nicht jedes Modell und jede technische Einzelheit kennen. Wichtiger ist ein grundlegendes Verständnis dafür, was KI-Systeme leisten, wie ihre Ergebnisse entstehen und an welchen Stellen eine kritische Prüfung notwendig bleibt.
Bibliotheken können dieses Verständnis niedrigschwellig vermitteln. Als offene Bildungsorte erreichen sie Menschen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen – von Kindern und Jugendlichen über Berufstätige bis zu älteren Menschen, die erstmals mit einem ChatbotSoftware, die schriftliche oder gesprochene Dialoge mit Menschen führt. in Berührung kommen.
KI-Kompetenz ist mehr als gutes Prompting
Tipps für bessere Eingaben können hilfreich sein. Sie greifen jedoch zu kurz, wenn unklar bleibt, weshalb ein Sprachmodell überzeugend klingende Fehler erzeugt, welche Daten beim Anbieter landen oder welche Interessen hinter einer Anwendung stehen.
KI-KompetenzWissen und Fähigkeiten, um KI-Systeme sachkundig, kritisch und verantwortungsvoll einzusetzen. umfasst deshalb mehrere Ebenen:
- Funktionsverständnis: SprachmodelleKI-Systeme, die aus großen Textmengen gelernt haben und Sprache verarbeiten oder erzeugen. berechnen wahrscheinliche Fortsetzungen und besitzen kein menschliches Verständnis.
- Anwendungskompetenz: Aufgaben müssen sinnvoll formuliert, Ergebnisse geprüft und die nächsten Arbeitsschritte bewusst gesteuert werden.
- InformationskompetenzFähigkeit, Informationen gezielt zu suchen, kritisch zu bewerten und verantwortungsvoll zu nutzen.: Behauptungen, Quellen und Auslassungen müssen überprüft werden.
- Datenschutzkompetenz: Nutzende müssen einschätzen können, welche Informationen sie übermitteln dürfen.
- Gesellschaftliche Urteilskraft: Machtverhältnisse, Geschäftsmodelle, Diskriminierung und Folgen für Öffentlichkeit und Arbeit gehören zur Bewertung dazu.
Iterationskompetenz: Auf die nächste Entscheidung kommt es an
Im Alltag ist der erste KI-Output selten das Ende der Arbeit. Ein Text ist zu allgemein, eine Zusammenfassung lässt etwas Wichtiges weg, eine Quelle passt nicht. Spannend wird es danach: Was passiert als Nächstes? Häufig folgt ein neuer Versuch nach dem Motto „Mach’s besser!“ – in der Hoffnung, dass die nächste Antwort zufällig besser passt.
Das Arbeitsmodell Iterationskompetenz beschreibt einen anderen Weg. Es versteht gute KI-Nutzung als Prozess, den der Mensch Schritt für Schritt steuert: vom Ziel über den Auftrag an die KI, die Prüfung des Ergebnisses und die Suche nach der Ursache bis zur gezielten Anpassung und der Entscheidung, wie es weitergeht.

Den Kern bildet die Diagnose. Wer bemerkt, dass ein Ergebnis nicht passt, weiß damit noch nicht, warum. Liegt es am Auftrag, an fehlendem Wissen oder am gewählten Werkzeug? Ein fachlich unzuverlässiger Text wird durch noch so viele Umformulierungen nicht besser, wenn eigentlich belastbare Quellen fehlen. Dann besteht die passende nächste Handlung darin, Quellen zu recherchieren – nicht darin, weiter zu prompten.
Daraus ergeben sich drei Verschiebungen gegenüber dem verbreiteten Bild vom „perfekten PromptEingabe oder Anweisung, mit der ein Mensch eine Aufgabe an ein KI-System übermittelt.“:
- PromptingDas gezielte Formulieren von Eingaben, um von einer KI brauchbare Ergebnisse zu erhalten. ist eine Möglichkeit unter mehreren. Auch Kontext ergänzen, die Aufgabe zerlegen, das Werkzeug wechseln oder einen Teil ohne KI erledigen kann die richtige Anpassung sein.
- Iteration ist kein Herumprobieren. Jede neue Runde folgt aus einer Erkenntnis über die vorherige.
- Aufhören kann ein kompetentes Ergebnis sein. Übernehmen, selbst weitermachen, Fachleute fragen oder den KI-Einsatz beenden sind begründete Entscheidungen – kein Scheitern.
Die Verantwortung bleibt dabei beim Menschen: Er setzt das Ziel, legt fest, was Qualität bedeutet, bewertet, entscheidet und verantwortet das Ergebnis. Hohe Kompetenz heißt also nicht, länger zu prompten. Hohe Kompetenz heißt, den Prozess bewusst zu steuern.
„Die Qualität der Mensch-KI-Interaktion zeigt sich nicht am ersten Output, sondern an der Qualität der nächsten Entscheidung.“
Für Fortbildungen eignet sich eine einfache Übung: Mit KI eine kurze Einführung zum Thema Fake NewsGezielt gestaltete Falschmeldungen, die wie echte Nachrichten aussehen. für Eltern von Jugendlichen erstellen – und dabei nicht nur das Ergebnis festhalten, sondern jeden Schritt. Was war das Ziel? Was hat am ersten Ergebnis nicht gepasst, und warum? Was wurde deshalb verändert? Würde man den Text so veröffentlichen? Ein schwaches erstes Ergebnis ist dabei kein Problem, sondern oft der lehrreichste Teil.
Das Modell ist ein didaktischer Vorschlag aus der Bildungspraxis und bislang nicht empirisch überprüft. Es macht aber sichtbar, was zwischen dem ersten Output und einem verantwortbaren Ergebnis passiert. Wie die Formulierung des Auftrags das Ergebnis prägt, zeigt das Bild vom Prompt-Korridor.
Warum Bibliotheken geeignete Lernorte sind
Viele Menschen lernen KI über kommerzielle Produkte kennen. Deren Oberflächen sollen möglichst einfach wirken und blenden technische sowie wirtschaftliche Bedingungen häufig aus. Bibliotheken können einen anderen Zugang ermöglichen: ausprobieren, vergleichen, nachfragen und widersprechen – ohne dass die Nutzung eines bestimmten Produkts zum eigentlichen Ziel wird.
Dabei geht es nicht darum, Menschen vor jeder möglichen Gefahr zu warnen. Ebenso wenig sollte KI als zwangsläufige Lösung für jedes Problem dargestellt werden. MedienbildungPädagogische Arbeit, die Menschen zu einem selbstbestimmten, kritischen und kreativen Umgang mit Medien befähigt. unterstützt dabei, eigene Ziele zu formulieren, Grenzen zu erkennen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Fragen
Kinder und Jugendliche
Für junge Menschen sind Fragen nach Wahrheit, Urheberschaft, persönlichen Daten und der scheinbaren Persönlichkeit von ChatbotsProgramme, die schriftliche oder gesprochene Dialoge mit Menschen führen. zentral. Schutzregeln bleiben notwendig, ersetzen aber keine Auseinandersetzung mit der Technik.
Erwachsene und ältere Menschen
Hier können alltagsnahe Anwendungen, Betrugsversuche, manipulierte Medien und der Schutz persönlicher Daten im Mittelpunkt stehen. Gerade scheinbar hilfreiche Anweisungen aus Webseiten, E-Mails oder Werbung können dazu führen, dass Menschen ungewollt fremden Code oder unerwünschte Befehle in einen KI-Chat übernehmen.
Bibliotheksmitarbeitende
Mitarbeitende benötigen sowohl praktische Erfahrung als auch Orientierung für dienstliche Einsatzbereiche. Dazu gehören Freigaben, Verantwortlichkeiten, Datenschutz, Qualitätskontrolle und die Kommunikation gegenüber Nutzenden.
Vom einmaligen Kurs zur lernenden Organisation
Ein Einführungskurs kann Grundlagen schaffen, aber keine dauerhaft gültige Werkzeugliste liefern. Modelle, Oberflächen und Nutzungsbedingungen verändern sich schnell. Entscheidend ist deshalb eine Lernkultur, in der Erfahrungen geteilt, Fehler besprochen und Regeln angepasst werden können.
Der kostenlose Kurs 90 Minuten KI-Kompetenz bietet einen Einstieg. Vertiefende Einordnungen finden sich in den Themenbereichen KI und Informationskompetenz, KI, Demokratie und Gesellschaft sowie Datenschutz und KI.
Woran gute Vermittlung erkennbar ist
- Technische Begriffe werden verständlich erklärt, ohne Risiken zu vereinfachen.
- Ergebnisse verschiedener Systeme werden verglichen und überprüft.
- Unsicherheit und Nichtwissen dürfen sichtbar bleiben.
- Datenschutz und gesellschaftliche Folgen sind keine Randthemen.
- Im Mittelpunkt steht nicht der beste einzelne Prompt, sondern wie Teilnehmende Ergebnisse prüfen, Probleme begründen und über den nächsten Schritt entscheiden.
- Die Teilnehmenden lernen nicht nur Bedienung, sondern entwickeln eigene Urteilskraft.
Das Ziel ist nicht, dass alle Menschen KI gleichermaßen häufig nutzen. Ziel ist, dass sie verstehen, worüber sie entscheiden – auch dann, wenn sie sich bewusst gegen eine Anwendung entscheiden.