Wer Künstliche Intelligenz kompetent nutzen möchte, muss nicht jedes Modell und jede technische Einzelheit kennen. Wichtiger ist ein grundlegendes Verständnis dafür, was KI-Systeme leisten, wie ihre Ergebnisse entstehen und an welchen Stellen eine kritische Prüfung notwendig bleibt.
Bibliotheken können dieses Verständnis niedrigschwellig vermitteln. Als offene Bildungsorte erreichen sie Menschen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen – von Kindern und Jugendlichen über Berufstätige bis zu älteren Menschen, die erstmals mit einem Chatbot in Berührung kommen.
KI-Kompetenz ist mehr als gutes Prompting
Tipps für bessere Eingaben können hilfreich sein. Sie greifen jedoch zu kurz, wenn unklar bleibt, weshalb ein Sprachmodell überzeugend klingende Fehler erzeugt, welche Daten beim Anbieter landen oder welche Interessen hinter einer Anwendung stehen.
KI-Kompetenz umfasst deshalb mehrere Ebenen:
- Funktionsverständnis: Sprachmodelle berechnen wahrscheinliche Fortsetzungen und besitzen kein menschliches Verständnis.
- Anwendungskompetenz: Aufgaben müssen sinnvoll formuliert und Ergebnisse weiterbearbeitet werden.
- Informationskompetenz: Behauptungen, Quellen und Auslassungen müssen überprüft werden.
- Datenschutzkompetenz: Nutzende müssen einschätzen können, welche Informationen sie übermitteln dürfen.
- Gesellschaftliche Urteilskraft: Machtverhältnisse, Geschäftsmodelle, Diskriminierung und Folgen für Öffentlichkeit und Arbeit gehören zur Bewertung dazu.
Warum Bibliotheken geeignete Lernorte sind
Viele Menschen lernen KI über kommerzielle Produkte kennen. Deren Oberflächen sollen möglichst einfach wirken und blenden technische sowie wirtschaftliche Bedingungen häufig aus. Bibliotheken können einen anderen Zugang ermöglichen: ausprobieren, vergleichen, nachfragen und widersprechen – ohne dass die Nutzung eines bestimmten Produkts zum eigentlichen Ziel wird.
Dabei geht es nicht darum, Menschen vor jeder möglichen Gefahr zu warnen. Ebenso wenig sollte KI als zwangsläufige Lösung für jedes Problem dargestellt werden. Medienbildung unterstützt dabei, eigene Ziele zu formulieren, Grenzen zu erkennen und selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen.
Unterschiedliche Zielgruppen, unterschiedliche Fragen
Kinder und Jugendliche
Für junge Menschen sind Fragen nach Wahrheit, Urheberschaft, persönlichen Daten und der scheinbaren Persönlichkeit von Chatbots zentral. Schutzregeln bleiben notwendig, ersetzen aber keine Auseinandersetzung mit der Technik.
Erwachsene und ältere Menschen
Hier können alltagsnahe Anwendungen, Betrugsversuche, manipulierte Medien und der Schutz persönlicher Daten im Mittelpunkt stehen. Gerade scheinbar hilfreiche Anweisungen aus Webseiten, E-Mails oder Werbung können dazu führen, dass Menschen ungewollt fremden Code oder unerwünschte Befehle in einen KI-Chat übernehmen.
Bibliotheksmitarbeitende
Mitarbeitende benötigen sowohl praktische Erfahrung als auch Orientierung für dienstliche Einsatzbereiche. Dazu gehören Freigaben, Verantwortlichkeiten, Datenschutz, Qualitätskontrolle und die Kommunikation gegenüber Nutzenden.
Vom einmaligen Kurs zur lernenden Organisation
Ein Einführungskurs kann Grundlagen schaffen, aber keine dauerhaft gültige Werkzeugliste liefern. Modelle, Oberflächen und Nutzungsbedingungen verändern sich schnell. Entscheidend ist deshalb eine Lernkultur, in der Erfahrungen geteilt, Fehler besprochen und Regeln angepasst werden können.
Der kostenlose Kurs 90 Minuten KI-Kompetenz bietet einen Einstieg. Vertiefende Einordnungen finden sich in den Themenbereichen KI und Informationskompetenz, KI, Demokratie und Gesellschaft sowie Datenschutz und KI.
Woran gute Vermittlung erkennbar ist
- Technische Begriffe werden verständlich erklärt, ohne Risiken zu vereinfachen.
- Ergebnisse verschiedener Systeme werden verglichen und überprüft.
- Unsicherheit und Nichtwissen dürfen sichtbar bleiben.
- Datenschutz und gesellschaftliche Folgen sind keine Randthemen.
- Die Teilnehmenden lernen nicht nur Bedienung, sondern entwickeln eigene Urteilskraft.
Das Ziel ist nicht, dass alle Menschen KI gleichermaßen häufig nutzen. Ziel ist, dass sie verstehen, worüber sie entscheiden – auch dann, wenn sie sich bewusst gegen eine Anwendung entscheiden.