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Die Cloud hat Durst: Warum Menschen in ganz Europa gegen Rechenzentren protestieren

November 8, 2026Von Andreas Langer

Wer einem ChatbotSoftware, die schriftliche oder gesprochene Dialoge mit Menschen führt. eine Frage stellt, sieht ein Textfeld und eine Antwort. Kühltürme, Stromleitungen und Wasserleitungen sieht niemand. Die stehen woanders. Genau dort regt sich jetzt Widerstand.

Am 6. und 7. November gingen Aktivistinnen und Aktivisten in London, Amsterdam, Wien und weiteren europäischen Städten gegen den Bau großer Rechenzentren auf die Straße. Es war die erste europaweite Aktion dieser Art. [1] In Berlin versammelten sich 15 bis 20 Menschen vor zwei Rechenzentrumsstandorten in Mariendorf, auf einem Gelände, auf dem früher ein Gaskraftwerk stand. [1] Eine Massenbewegung sieht anders aus. Ein Thema, das bleibt, vermutlich schon.

Was die Protestierenden fordern

Hinter der Kampagne „Stop Dirty Data Centres“ stehen nach eigenen Angaben rund 100 Gruppen aus 15 Ländern. Sie fordern ein sofortiges Moratorium für neue große Rechenzentrumsprojekte, bis soziale und ökologische Fragen geklärt sind. Außerdem wollen sie klare Regeln dafür, ob und unter welchen Bedingungen neue Anlagen gebaut werden dürfen, mit ordentlicher Prüfung und echter Beteiligung der Öffentlichkeit. [1]

Die Richtung in Brüssel ist allerdings eine andere. Die EU-Kommission hat mit dem „Cloud and AI Development Act“ vorgeschlagen, Zonen auszuweisen, in denen Genehmigungsverfahren höchstens zwölf Monate dauern dürfen. Rechenzentren dort würden als „strategische Projekte“ gelten, was auch Umweltprüfungen beschleunigen soll. Die Organisation Corporate Europe Observatory hat vor der Veröffentlichung 367 dokumentierte Lobbytreffen zum Thema gezählt. [1] Man kann also nicht behaupten, die Branche sei nicht gehört worden.

In den USA ist der Widerstand schon deutlich größer. Allein im Juli gab es dort rund 140 Proteste in 42 Bundesstaaten. [1] Bei den Midterm-Wahlen in dieser Woche waren Rechenzentren in vielen Regionen ein Wahlkampfthema. [2]

Was ein Rechenzentrum so trinkt

Passend dazu hat das Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace den Wasserverbrauch von Rechenzentren in Deutschland geschätzt. [3] Für 2025 kommt die Studie auf rund 13 Milliarden Liter Wasser für die Kühlung. Das entspricht dem Trinkwasserbedarf einer Stadt mit 275.000 Einwohnerinnen und Einwohnern. Bis 2030 könnte sich der Verbrauch auf bis zu 27 Milliarden Liter mehr als verdoppeln, also auf den Bedarf von 580.000 Menschen.

Treiber sind vor allem sehr große Anlagen ab 100 Megawatt Anschlussleistung. Je nach Kühltechnik kann eine einzelne davon 200 bis 930 Millionen Liter im Jahr verbrauchen. [3] Dazu kommt der indirekte Verbrauch: bei der Stromerzeugung und bei der Herstellung der Hardware, für die Rohstoffe wie Zinn, Gold und Kobalt gebraucht werden, die überwiegend im Globalen Süden abgebaut werden. [3]

Bemerkenswert ist auch, wie wenig man genau weiß. Rund 1.200 Rechenzentren in Deutschland müssen ihre Daten an ein Bundesregister melden. Nur 482 haben Angaben zu Wasser und Strom für 2025 gemacht, und nach einer Plausibilitätsprüfung waren davon gerade einmal 139 verwertbar. [3] Man kann also ziemlich genau sagen, dass man es ziemlich ungenau weiß.

Die Bundesregierung will die Rechenzentrumskapazität bis 2030 mehr als verdoppeln. Ihre Rechenzentrumsstrategie enthält Vorgaben zur Energieeffizienz, aber keine zum Wasserverbrauch. [3] Beim Digital-Gipfel Anfang November ging es vor allem um KI als Wirtschaftsmotor. [2]

Nicht verzichten, sondern wissen, was man tut

Heißt das, wir sollten alle keine KI mehr nutzen? Aus meiner Sicht nicht. Ein schlechtes Gewissen pro PromptEingabe oder Anweisung, mit der ein Mensch eine Aufgabe an ein KI-System übermittelt. hilft niemandem, und die großen Stellschrauben liegen ohnehin nicht beim einzelnen Chat, sondern bei Standorten, Kühltechnik und Genehmigungen. Das Öko-Institut hält es sogar für möglich, den Wasserverbrauch mit der passenden Kühlung auf null zu senken. Die Branche argumentiert dagegen, dass mehr Energieeffizienz oft mehr Wasser kostet. [3]

Was sich aber lohnt: den ökologischen Preis von KI als Teil von KI-KompetenzWissen und Fähigkeiten, um KI-Systeme sachkundig, kritisch und verantwortungsvoll einzusetzen. zu verstehen. Genauso wie Datenschutz, Urheberrecht und Halluzinationen. Für Bibliotheken und Bildungseinrichtungen heißt das zum Beispiel:

Und für die politische Bildung ist das Thema ohnehin ein Geschenk: Wer entscheidet eigentlich, wo Rechenzentren gebaut werden? Wer wird dabei gefragt? Und wer bekommt das Wasser, wenn es knapp wird? Das sind Fragen nach Teilhabe, nicht nach Technik.

Die Cloud ist eben keine Wolke. Sie steht irgendwo, sie braucht Strom, und sie hat Durst.

Stand: 7. November 2026. Anlass sind die europaweiten Proteste gegen Rechenzentren am 6. und 7. November und eine Studie des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace.

Quellen

  1. netzpolitik.org: Zu schnell, zu groß – Protestierende in ganz Europa kämpfen gegen den Rechenzentrums-Boom (6. November 2026): netzpolitik.org
  2. netzpolitik.org: KW 45 – Die Woche, in der die Welt gegen Rechenzentren aufbegehrte (7. November 2026): netzpolitik.org
  3. netzpolitik.org: Greenpeace-Studie – Bau von Riesen-Rechenzentren könnte Wasserverbrauch mehr als verdoppeln (6. November 2026): netzpolitik.org