Wer in den letzten Monaten Fachartikel, Konferenzprogramme oder LinkedIn gelesen hat, konnte den Eindruck gewinnen, dass die Zukunft vor allem aus KI-AgentenKI-Systeme, die Aufgaben in mehreren Schritten planen und mithilfe von Werkzeugen teilweise selbstständig ausführen. besteht. Also aus Programmen, die nicht nur antworten, sondern selbst handeln: ein Taxi rufen, Essen bestellen, Formulare ausfüllen, Termine buchen.
Am 4. November hat Uber seine Quartalszahlen vorgestellt. Und dabei ganz nebenbei verraten, wie viele Fahrten im dritten Quartal über externe KI-Agenten gebucht wurden: vier. [1]
Nicht vier Millionen. Vier.
Was die Zahlen zeigen
Bei Uber Eats sieht es nur wenig anders aus. In der Halloween-Woche liefen rund 500 Bestellungen über KI-Agenten. Zum Vergleich: Uber kommt auf etwa 320 Millionen Fahrten und Lieferungen pro Woche. [1] Finanzchef Balaji Krishnamurthy nannte die Nachfrage durch Agenten „very, very early and very limited“, also sehr früh und sehr begrenzt. Selten war eine Untertreibung so präzise.
Zur Einordnung: Uber hat im dritten Quartal insgesamt 4,1 Milliarden Fahrten und Lieferungen abgewickelt. [2] Vier davon kamen von KI-Agenten. Man kann das in Prozent ausrechnen. Man muss aber nicht.
Und selbst dort, wo Agenten tatsächlich genutzt werden, wird es teuer. SpaceX hat Ende Oktober die Nutzung seines Agenten Grok Bot eingeschränkt. Elon Musk nannte die Kosten für den Betrieb am 1. November „unsustainably high relative to revenue“, also im Verhältnis zu den Einnahmen untragbar hoch. [3] OpenAI hat seinen Agenten Dots auf teurere Konten beschränkt. [4] Agenten, die ständig im Hintergrund arbeiten, verbrauchen eben deutlich mehr RechenleistungWie viele Berechnungen ein Computer in einer bestimmten Zeit ausführen kann. als ein ChatbotSoftware, die schriftliche oder gesprochene Dialoge mit Menschen führt., der nur auf Fragen antwortet. Mit einem festen Monatsabo ist das schwer zu bezahlen.
Nicht nutzlos, sondern woanders
Heißt das, KI-Agenten sind nur heiße Luft? Nein. Spannend ist ein Detail aus demselben Unternehmen: Intern stammen bei Uber inzwischen mehr als 70 Prozent der eingereichten Codeänderungen von KI-Agenten. [5] In der Softwareentwicklung sind Agenten also längst Alltag. Beim Taxi bestellen eher nicht.
Der Unterschied ist ziemlich lehrreich. In der Programmierung arbeiten Agenten in einer kontrollierten Umgebung, ihre Ergebnisse werden geprüft und Fehler lassen sich zurücknehmen. Im Alltag dagegen müssten sie sich anmelden, bezahlen und Entscheidungen treffen, für die am Ende ein Mensch geradesteht. Wer lässt schon gern eine Software mit der eigenen Kreditkarte losziehen? Und wer bestellt ein Taxi umständlich über einen Agenten, wenn es in der App zwei Klicks dauert?
Zwischen „es funktioniert in der Demo“ und „es funktioniert bei mir“ liegt eben nicht nur Technik, sondern Vertrauen, Gewohnheit und Geld. Warum gerade die Verantwortung bei Agenten knifflig ist, habe ich im Oktober in „Wenn KI-Agenten eigene Wege gehen“ beschrieben.
Entwarnung, aber keine Entspannung
Für alle, die bei jeder neuen KI-Schlagzeile das Gefühl haben, schon wieder hinterherzuhinken: Durchatmen ist erlaubt. Niemand hat den Anschluss verpasst, weil er noch keinen Agenten sein Mittagessen bestellen lässt.
Ganz zurücklehnen sollte man sich trotzdem nicht. Dass Agenten im Alltag noch selten sind, liegt nicht daran, dass niemand daran arbeitet. Uber selbst baut eigene Agenten-Angebote und arbeitet mit externen Agenten von Apple, OpenAI, Anthropic und Google zusammen. [6] Die Frage ist also nicht, ob Agenten kommen, sondern wann und in welcher Form.
Genau deshalb lohnt sich die Zeit, die die Technik uns gerade lässt. Teams können jetzt klären, was ein Agent bei ihnen dürfen soll und was nicht, wer Ergebnisse prüft und wo die Grenze liegt. Das sind dieselben Fragen, die auch ein KI-Leitbild beantwortet. Wer sie klärt, bevor der erste Agent an die Tür klopft, muss später nicht im Eiltempo nachbessern.
Bis dahin bleibt festzuhalten: Die KI-Revolution im Personenverkehr umfasst derzeit vier Fahrten. Das ist immerhin ein Anfang.
Stand: 6. November 2026. Anlass sind die Quartalszahlen von Uber vom 4. November.
Quellen
- Kill The AI: AI News Today, 5. November 2026 (mit Verweis auf The Verge): killtheai.com
- Uber Technologies: Quartalsbericht (Form 10-Q) für das dritte Quartal 2026: sec.gov
- ROIC News: Musk throttles Grok Bot as AI costs outstrip revenue (2. November 2026): roic.ai
- Silicon Report: Elon Musk says Grok Bot serving costs are unsustainably high: siliconreport.com
- Barchart: Uber spent its entire 2026 AI budget in 4 months: barchart.com
- National CIO Review: Uber and Instacart Earnings Point to Agentic Commerce Growth: nationalcioreview.com