90 Minuten KI-Kompetenz

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4. KI-Antworten prüfen und Quellen bewerten – 15 Minuten

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Ziel dieser Einheit: Du kannst KI-Antworten mit einem überschaubaren Prüfverfahren bewerten und erkennst, wann eine Antwort ohne zusätzliche Recherche nicht verwendet werden sollte.

Plausibel ist nicht gleich belegt

Generative KI ist darauf optimiert, passende Sprache zu erzeugen. Sie kann deshalb eine falsche Behauptung ebenso flüssig formulieren wie eine richtige. Besonders anfällig sind genaue Zahlen, aktuelle Entwicklungen, Rechtsfragen, wissenschaftliche Aussagen, Zitate und Literaturangaben.

Auch angezeigte Quellen lösen das Problem nicht automatisch. Ein System kann eine echte Quelle nennen, die Behauptung aber falsch daraus ableiten. Es kann veraltete Informationen verwenden oder eine schwache Quelle auswählen, obwohl bessere verfügbar wären. Quellen müssen deshalb geöffnet und inhaltlich geprüft werden.

Der KLAAR-Check

  • Kontext: Passt die Antwort wirklich zur gestellten Aufgabe?
  • Logik: Sind Schlussfolgerungen nachvollziehbar oder gibt es Widersprüche?
  • Aktualität: Könnte sich die Information inzwischen geändert haben?
  • Autorität: Wer steht hinter der Quelle und welche Fachkenntnis oder Interessen liegen vor?
  • Rückprüfung: Bestätigt die Originalquelle tatsächlich die konkrete Aussage?

Primärquelle vor Zusammenfassung

Bei Gesetzen, Studien, Produktfunktionen oder offiziellen Entscheidungen sollte möglichst die Primärquelle geprüft werden: der Gesetzestext, die Studie, die technische Dokumentation oder die Mitteilung der zuständigen Institution. Journalistische Berichte helfen bei der Einordnung, ersetzen aber nicht immer den Blick in das Ausgangsdokument.

Bei gesellschaftlich umstrittenen Themen reicht eine einzige Perspektive häufig nicht aus. Dann ist Quellenvielfalt wichtig: beispielsweise eine offizielle Mitteilung, unabhängiger Journalismus und eine fachliche oder zivilgesellschaftliche Bewertung.

Warnsignale in KI-Antworten

  • sehr genaue Zahlen ohne nachvollziehbare Herkunft,
  • angebliche Studien ohne Autor, Titel oder stabile Fundstelle,
  • wörtliche Zitate ohne Seiten- oder Absatznachweis,
  • absolute Aussagen wie „immer“, „zweifelsfrei“ oder „wissenschaftlich bewiesen“,
  • Quellen, deren Titel auffällig genau die Antwort wiederholen,
  • aktuelle Behauptungen ohne Datum.

Praxisübung: Eine Antwort rückwärts prüfen

Bitte einen Chatbot um eine kurze sachliche Antwort auf eine Frage, bei der du dich bereits etwas auskennst. Fordere zwei Quellen an. Wähle anschließend eine konkrete Tatsachenbehauptung und arbeite rückwärts:

  1. Öffne die angegebene Quelle.
  2. Suche dort nach der konkreten Behauptung.
  3. Prüfe Datum, Urheber und ursprünglichen Zusammenhang.
  4. Suche eine zweite, unabhängige Bestätigung.
  5. Ordne das Ergebnis ein: bestätigt, teilweise bestätigt, unbelegt oder widerlegt.

Die Frage lautet nicht nur „Klingt das richtig?“, sondern „Woran kann ich erkennen, dass es richtig ist?“

Wann KI nicht die erste Rechercheadresse sein sollte

Bei medizinischen, rechtlichen oder finanziellen Entscheidungen, bei personenbezogenen Auskünften und bei wissenschaftlichen Belegen sollte eine KI-Zusammenfassung höchstens der Orientierung dienen. Für die eigentliche Entscheidung sind aktuelle, autoritative Quellen und gegebenenfalls Fachpersonen notwendig.

Quellencheck in 30 Sekunden

Eine KI behauptet: „Eine aktuelle Studie beweist, dass 83 Prozent aller Bibliotheksbesuchenden KI-Angebote erwarten.“ Sie nennt den Titel der Studie, aber weder Autor noch Link oder Veröffentlichungsdatum.

Wie sollte diese Aussage eingeordnet werden?

  • A: glaubwürdig, weil eine genaue Zahl genannt wird,
  • B: vorläufig unbelegt und nicht verwendbar,
  • C: richtig, sofern der Studientitel plausibel klingt.
Lösung anzeigen

Antwort B. Die Genauigkeit der Zahl macht die Aussage nicht verlässlicher. Ohne auffindbare Originalquelle, Datum und nachvollziehbaren Untersuchungsrahmen ist sie unbelegt.

Transfer: Welche Punkte des KLAAR-Checks fehlen hier besonders?