90 Minuten KI-Kompetenz

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1. KI im Alltag erkennen und einordnen – 10 Minuten

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Ziel dieser Einheit: Du kannst nach zehn Minuten unterscheiden, wo dir KI im Alltag begegnet, welche Rolle das System jeweils übernimmt und weshalb nicht jede Automatisierung automatisch künstliche Intelligenz ist.

KI ist längst Teil des Alltags

Künstliche Intelligenz begegnet dir nicht erst, wenn du einen Chatbot öffnest. Empfehlungslisten in Streamingdiensten, automatische Übersetzungen, Bilderkennung auf dem Smartphone, Spamfilter und Suchmaschinen nutzen Verfahren des maschinellen Lernens. Dabei werden aus vielen Beispielen Muster abgeleitet, um neue Eingaben einzuordnen oder passende Ausgaben zu erzeugen.

Der Begriff „KI“ fasst sehr unterschiedliche Systeme zusammen. Manche erkennen lediglich bestimmte Muster. Andere erzeugen Texte, Bilder, Audio oder Programmcode. Wieder andere treffen vorbereitende Entscheidungen, etwa indem sie Bewerbungen sortieren oder Inhalte empfehlen. Entscheidend ist deshalb nicht nur die Frage, ob KI eingesetzt wird, sondern wofür, mit welchen Daten und mit welchen Folgen.

Drei Rollen von KI

  • Erkennen und einordnen: Ein Spamfilter bewertet, ob eine Nachricht wahrscheinlich unerwünscht ist.
  • Vorhersagen und empfehlen: Eine Plattform schätzt, welcher Inhalt dich interessieren könnte.
  • Erzeugen: Generative KI formuliert einen Text, erstellt ein Bild oder fasst Informationen zusammen.

KI „versteht“ eine Situation nicht automatisch so wie ein Mensch. Sie verarbeitet Daten nach erlernten Mustern und erzeugt daraus eine wahrscheinlich passende Ausgabe.

Kurze Übung: Wo steckt KI drin?

Nimm dir zwei Minuten Zeit und notiere drei digitale Anwendungen, die du heute bereits benutzt hast. Prüfe bei jeder Anwendung:

  1. Welche Eingaben oder Daten erhält das System?
  2. Was entscheidet, empfiehlt oder erzeugt es?
  3. Kannst du erkennen, nach welchen Kriterien das Ergebnis zustande kommt?

Beispiel: Ein Bibliothekskatalog mit klassischer Stichwortsuche folgt festgelegten Regeln. Eine KI-gestützte Empfehlung versucht dagegen, aus Daten und Ähnlichkeiten abzuleiten, welche Medien zu einer Anfrage passen könnten. Die Empfehlung kann hilfreich sein, ist aber weder neutral noch zwangsläufig vollständig.

Merksatz

Bei jeder KI-Anwendung lohnt sich ein kurzer Dreischritt: Welche Daten gehen hinein? Was macht das System damit? Wer trägt die Verantwortung für das Ergebnis?

Kurzcheck: KI oder feste Regel?

Frage: Eine Bibliothek versendet automatisch drei Tage vor Ablauf der Leihfrist eine Erinnerung. Ist das bereits künstliche Intelligenz?

Antwort einblenden

Nicht zwangsläufig. Wird die Nachricht immer nach einer fest programmierten Frist verschickt, handelt es sich um klassische Automatisierung. KI käme beispielsweise ins Spiel, wenn das System aus Daten vorhersagt, wann eine Erinnerung besonders wirksam sein könnte.

Denkfrage: Welche zusätzlichen Daten wären für eine solche Vorhersage nötig – und sollte eine Bibliothek sie dafür überhaupt verwenden?