Ziel dieser Einheit: Du kannst eine vage Aufgabe systematisch verbessern und KI als dialogisches Werkzeug einsetzen, statt auf den vermeintlich perfekten Einmal-Prompt zu warten.
Ein Prompt ist ein Arbeitsauftrag
Ein Prompt ist die Eingabe, mit der du einem KI-System eine Aufgabe stellst. Gute Ergebnisse entstehen meistens nicht durch besonders komplizierte Befehle, sondern durch Klarheit: Was soll entstehen, für wen, auf welcher Grundlage und in welcher Form?
Die häufigste Ursache für unbrauchbare Antworten ist eine unklare Aufgabe. „Schreibe etwas über KI“ lässt fast alle Entscheidungen beim System. Je genauer Ziel und Rahmen beschrieben sind, desto besser lässt sich das Ergebnis später beurteilen.
Das ZAKI-Modell für gute Arbeitsaufträge
- Ziel: Was soll am Ende vorliegen?
- Adressaten: Für wen ist das Ergebnis gedacht?
- Kontext: Welche Informationen, Grenzen und Voraussetzungen sind wichtig?
- Iteration: Nach welchen Kriterien wird die erste Fassung geprüft und verbessert?
Vager Prompt: „Plane eine Veranstaltung über KI.“
Verbesserte Fassung: „Entwirf einen 60-minütigen Einsteigerworkshop über generative KI für höchstens zwölf erwachsene Bibliotheksnutzende. Es stehen Tablets, WLAN und ein Beamer zur Verfügung. Plane einen kurzen Einstieg, zwei praktische Übungen und eine gemeinsame Reflexion. Erkläre Fachbegriffe in einfacher Sprache. Gib den Ablauf als Tabelle mit Zeit, Ziel und Methode aus.“
Warum Rollen allein wenig helfen
Formulierungen wie „Du bist der beste Medienpädagoge der Welt“ können Ton und Perspektive beeinflussen, ersetzen aber keine sachlichen Angaben. Hilfreicher ist eine konkrete Funktion: „Prüfe den folgenden Ablauf aus Sicht einer medienpädagogischen Fachkraft auf Überforderung, Beteiligungsmöglichkeiten und realistische Zeitplanung.“ Die Rolle erhält damit eine überprüfbare Aufgabe.
Iteration ist eine Kernkompetenz
Die erste Ausgabe sollte als Entwurf behandelt werden. Markiere, was brauchbar, unklar, unbelegt oder unpassend ist. Bitte anschließend gezielt um Änderungen. Dabei kann das System auch aufgefordert werden, Annahmen offenzulegen oder fehlende Angaben zunächst als Rückfragen zu formulieren.
- Aufgabe mit Ziel und Kontext formulieren.
- Erste Antwort anhand eigener Kriterien prüfen.
- Konkrete Schwächen benennen.
- Nur die betroffenen Teile überarbeiten lassen.
- Fakten und Quellen unabhängig kontrollieren.
Praxisübung: Vom Rohprompt zum Arbeitsdialog
Wähle eine reale Aufgabe aus deinem Alltag, etwa eine Veranstaltungsankündigung, eine Gliederung, eine Ideensammlung oder eine verständliche Erklärung.
- Schreibe zunächst den spontanen Ein-Satz-Prompt auf.
- Ergänze Zielgruppe, Zweck, Kontext, Grenzen und Ausgabeformat.
- Lass eine erste Fassung erstellen.
- Nenne dem System zwei konkrete Schwächen und einen Aspekt, der erhalten bleiben soll.
- Vergleiche beide Fassungen: Was wurde tatsächlich besser?
Prompting ist weniger Zauberspruch als redaktioneller Prozess: beauftragen, prüfen, präzisieren und verantworten.
Eine sinnvolle Abschlussformulierung
Ergänze bei komplexen Aufgaben: „Trenne gesicherte Informationen von Vorschlägen. Kennzeichne Annahmen und nenne Punkte, die ich selbst prüfen muss.“ Das verhindert Fehler nicht, macht die spätere Kontrolle aber gezielter.
Welcher Prompt hilft mehr?
A: „Du bist der beste Veranstaltungsexperte der Welt. Plane eine tolle KI-Veranstaltung.“
B: „Entwirf drei Titel und Kurzbeschreibungen für einen 60-minütigen KI-Einstieg in einer öffentlichen Bibliothek. Zielgruppe sind Erwachsene ohne Vorkenntnisse. Vermeide Fachsprache und kennzeichne Annahmen.“
Auswertung anzeigen
Prompt B liefert Ziel, Zielgruppe, Kontext, Umfang und Qualitätskriterien. Die schmeichelnde Rolle in Prompt A ersetzt diese Angaben nicht.
Mini-Aufgabe: Ergänze Prompt B um ein gewünschtes Ausgabeformat und ein Kriterium, anhand dessen du die Vorschläge anschließend beurteilen kannst.
