Während Microsoft, Google und andere Softwareanbieter immer mehr KI-Funktionen in ihre Büroprogramme integrieren, geht LibreOffice bewusst einen anderen Weg. Die aktuelle Version LibreOffice 26.8 enthält keine generative KI (Software, die eigenständig Texte, Bilder oder andere Inhalte erzeugen kann). Nach Angaben der Document Foundation wurde die neue Version innerhalb einer Woche mehr als eine Million Mal über die offizielle Internetseite heruntergeladen – häufiger als jede frühere LibreOffice-Version in diesem Zeitraum.
Die Document Foundation vermutet, dass der bewusste Verzicht auf integrierte KI-Funktionen zum großen Interesse beigetragen hat. Ein eindeutiger ursächlicher Zusammenhang lässt sich aus den Downloadzahlen allerdings nicht ableiten. Neben der KI-freien Ausrichtung enthält die Version auch Verbesserungen bei der Darstellung unterschiedlicher Sprachen, bei der Typografie und beim Austausch von Dokumenten mit Microsoft Office.
Anders als bei vielen cloudbasierten Büroprogrammen müssen Dokumente für die grundlegenden Funktionen von LibreOffice nicht an externe Server übertragen werden. Die Software kann lokal und ohne ständige Internetverbindung genutzt werden. Damit bietet sie eine Alternative für Menschen und Einrichtungen, die selbst entscheiden möchten, ob und wann sie KI-Dienste verwenden.
Bibliotheksbezug
Für Bibliotheken ist diese Entwicklung aus mehreren Gründen interessant. Sie zeigt zunächst, dass die Digitalisierung nicht zwangsläufig bedeutet, jede neue Softwarefunktion übernehmen zu müssen. Auch der bewusste Verzicht auf KI kann eine begründete technische und organisatorische Entscheidung sein.
Gerade an öffentlichen Arbeitsplätzen, in Schulungsräumen oder bei der Bearbeitung interner Dokumente können lokal installierte Programme Vorteile für den Datenschutz bieten. Dabei sollte allerdings nicht vorschnell angenommen werden, dass quelloffene Software (Software, deren Programmcode öffentlich eingesehen und weiterentwickelt werden kann) automatisch sicher oder datenschutzkonform ist. Entscheidend sind immer die konkrete Konfiguration, regelmäßige Aktualisierungen und die jeweiligen Arbeitsabläufe.
Aus der Perspektive der Informationskompetenz eröffnet die Meldung außerdem eine wichtige Diskussion: Nutzerinnen und Nutzer sollten erkennen können, wann eine Software KI einsetzt, welche Daten dabei verarbeitet werden und ob sich die Funktionen abschalten lassen. Bibliotheken können vermitteln, dass digitale Souveränität (die Möglichkeit, Technik und Daten selbstbestimmt zu kontrollieren) auch darin besteht, zwischen Angeboten mit und ohne KI wählen zu können.
Die hohen Downloadzahlen sind deshalb weniger als grundsätzliche Ablehnung von KI zu verstehen. Sie können vielmehr als Hinweis darauf gelesen werden, dass ein wachsender Bedarf an transparenten, datensparsamen und selbstbestimmt nutzbaren Werkzeugen besteht.