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Wenn KI-Kompetenz zur Einstellungsvoraussetzung wird: Was Bibliotheken daraus lernen können

September 8, 2026Von kontakt@andreaslanger.net

Kurzfassung: Die Schweizer Großbank UBS will bei der Auswahl bestimmter Nachwuchskräfte künftig auch darauf achten, wie sicher Bewerberinnen und Bewerber mit Künstlicher Intelligenz umgehen. Der Fall zeigt: KI-Kompetenz entwickelt sich in einigen Berufsfeldern von einer Zusatzqualifikation zu einer erwarteten Grundfähigkeit.

Eine neue Anforderung im Bewerbungsverfahren

Nach Berichten der Financial Times und von The Decoder sollen Bewerberinnen und Bewerber für Praktika und Einstiegsprogramme in den Bereichen Global Banking und Global Markets ab dem Einstellungsjahr 2027 Fragen zu ihrem Umgang mit KI beantworten.

Dabei geht es nicht nur darum, ein bestimmtes Programm bedienen zu können. Gefragt ist vielmehr, ob KI sinnvoll eingesetzt wird, um Arbeitsabläufe zu verbessern, Informationen aufzubereiten und Ergebnisse zu kontrollieren.

UBS betont zugleich, dass fachliches Wissen, analytisches Denken und soziale Fähigkeiten weiterhin wichtig bleiben. KI-Kenntnisse sollen diese Grundlagen ergänzen, nicht ersetzen.

Was mit KI-Kompetenz gemeint sein sollte

KI-Kompetenz bedeutet mehr als das Schreiben guter Prompts (Arbeitsaufträge an ein KI-System). Dazu gehört auch, ein geeignetes Werkzeug auszuwählen, Unsicherheiten zu erkennen sowie Datenschutz und Urheberrecht mitzudenken.

Ein zentraler Teil davon ist Informationskompetenz: Menschen müssen einschätzen können, welche Informationen sie benötigen, woher eine Antwort stammt, wie aktuell und glaubwürdig sie ist und mit welchen unabhängigen Quellen sie überprüft werden kann. Gerade KI-Systeme erschweren diese Prüfung, weil sie häufig eine fertige Antwort präsentieren, ohne ihren Entstehungsweg vollständig offenzulegen.

Wer eine überzeugend klingende KI-Antwort ungeprüft übernimmt, arbeitet daher noch nicht kompetent mit KI. Zur Kompetenz gehört auch, eine Recherche ohne KI fortsetzen zu können und zu erkennen, wann eine Datenbank, ein Fachportal oder eine menschliche Beratung die bessere Quelle ist.

Wichtig für die Einordnung

Für Arbeitgeber entsteht eine neue Herausforderung: Sie müssen genauer beschreiben, welche Kenntnisse tatsächlich gebraucht werden. Eine allgemeine Forderung nach „KI-Erfahrung“ bleibt zu ungenau und kann Menschen benachteiligen, die bisher keinen Zugang zu kostenpflichtigen Werkzeugen hatten.

Sinnvoller ist es, konkrete Fähigkeiten zu benennen. Dazu können das Formulieren geeigneter Arbeitsaufträge, die Prüfung von Quellen, der Vergleich mehrerer Recherchewege, der Schutz vertraulicher Daten und eine nachvollziehbare Dokumentation des KI-Einsatzes gehören.

Bibliotheksbezug

Informationskompetenz gehört seit Langem zu den Kernaufgaben von Bibliotheken. Die zunehmende Bedeutung von KI erweitert diese Aufgabe: Neben der Suche nach Informationen muss stärker vermittelt werden, wie KI-Antworten zustande kommen, welche Quellen darin fehlen können und warum sprachliche Überzeugungskraft kein Beleg für Richtigkeit ist.

Bibliotheksmitarbeitende sollten beispielsweise beurteilen können, ob genannte Quellen tatsächlich existieren, ob eine Antwort aktuelle Informationen enthält und ob unterschiedliche Perspektiven angemessen berücksichtigt werden. Ebenso wichtig ist die Frage, wann klassische Recherchewerkzeuge wie Bibliothekskataloge, Fachdatenbanken oder geprüfte Informationsportale verlässlichere Ergebnisse liefern.

Diese Fähigkeiten werden nicht nur für die Beratung von Nutzerinnen und Nutzern benötigt. Sie sind auch für Bestandsarbeit, Veranstaltungsplanung, Öffentlichkeitsarbeit und interne Entscheidungsprozesse relevant. KI-generierte Inhalte sollten dabei als Ausgangspunkt verstanden werden, nicht als fertiges Rechercheergebnis.

Bibliotheken können entsprechende Kompetenzen durch regelmäßige Fortbildungen, gemeinsame Prüfroutinen und geschützte Erprobungsräume fördern. Ein eigenes KI-Leitbild kann zusätzlich festhalten, wann Ergebnisse geprüft werden müssen, wie Quellen dokumentiert werden und für welche Aufgaben KI nicht eingesetzt werden sollte. So verbindet sich praktische KI-Kompetenz mit dem bibliothekarischen Auftrag, einen verlässlichen und selbstbestimmten Umgang mit Informationen zu ermöglichen.

Quellen