Kurzfassung: New York City schränkt den Einsatz generativer KI an öffentlichen Schulen deutlich ein. Schülerinnen und Schüler bis einschließlich der achten Klasse sollen entsprechende Werkzeuge zunächst ein Jahr lang nicht verwenden. Die Entscheidung soll Zeit schaffen, um den Nutzen und die Risiken genauer zu prüfen.
Was die neue Regel vorsieht
Die Stadt kündigte das Moratorium (eine befristete Aussetzung) am 2. September an. The Decoder griff die Entscheidung am 7. September auf. Betroffen sind nach Angaben von Reuters rund 600.000 Schülerinnen und Schüler. Etwa 40 KI-Werkzeuge sollen für diese Altersgruppe im schulischen Einsatz gesperrt werden.
Es handelt sich allerdings nicht um ein ausnahmsloses Verbot. Unterstützende Technologien, Angebote für mehrsprachige Lernende und bestimmte berufsbezogene Programme können weiter zugelassen werden. Lehrkräfte dürfen freigegebene Systeme für Planungen und organisatorische Aufgaben verwenden. In höheren Klassen soll KI nur in ausgewählten Programmen zum Einsatz kommen.
Warum New York die Nutzung einschränkt
Generative KI (Systeme, die neue Texte, Bilder oder andere Inhalte erzeugen) kann beim Erklären, Strukturieren und Übersetzen helfen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass Lernende Ergebnisse ungeprüft übernehmen, persönliche Daten preisgeben oder die Bearbeitung einer Aufgabe zu früh an ein System abgeben.
Kinder und jüngere Jugendliche können zudem häufig noch nicht zuverlässig einschätzen, warum eine KI zu einem bestimmten Ergebnis gelangt ist und ob dieses Ergebnis glaubwürdig ist. Flüssig formulierte und selbstbewusst präsentierte Antworten können leicht den Eindruck erwecken, sie seien fachlich geprüft.
Mit der zeitlich begrenzten Regelung will New York deshalb zunächst Erfahrungen sammeln und geeignete pädagogische sowie organisatorische Rahmenbedingungen entwickeln.
Wichtig für die Einordnung
Eine zeitliche Begrenzung kann einen geschützten Raum für die Entwicklung sinnvoller Regeln schaffen. Sie vermittelt jedoch noch keine KI-Kompetenz.
Wenn Kinder und Jugendliche solche Dienste außerhalb der Schule weiterhin nutzen, verschwinden die damit verbundenen Fragen nicht. Ein reines Verbot kann sogar dazu führen, dass die Nutzung im Verborgenen stattfindet und junge Menschen bei Problemen keine Unterstützung suchen.
Hinzu kommt die Frage der Bildungsgerechtigkeit. Jugendliche mit technikaffinen Eltern, kostenpflichtigen Zugängen oder umfangreicher eigener Ausstattung können möglicherweise weiterhin Erfahrungen mit KI sammeln. Andere erhalten diese Möglichkeit nicht. Schutzmaßnahmen sollten deshalb immer mit altersgerechter Aufklärung und begleiteten Lerngelegenheiten verbunden werden.
Bibliotheksbezug
Bibliotheken sind wichtige außerschulische Bildungs- und Begegnungsorte. Sie können zwischen einem vollständigen Verbot und einer unkritischen Nutzung vermitteln. Dabei geht es nicht darum, Kindern und Jugendlichen möglichst früh jedes neue KI-Werkzeug vorzuführen. Entscheidend ist vielmehr, einen geschützten Raum für selbstbestimmte Erfahrungen, Fragen und kritische Reflexion zu schaffen.
Im Mittelpunkt sollte die Informationskompetenz stehen. Kinder und Jugendliche müssen lernen, dass eine KI-Antwort keine geprüfte Quelle ist. Sie sollten Antworten mit anderen Informationsangeboten vergleichen, genannte Quellen kontrollieren und erkennen können, wenn Angaben fehlen, veraltet oder möglicherweise erfunden sind.
Damit verbinden Bibliotheken praktische Medienbildung mit ihrem traditionellen Auftrag der Informationsvermittlung. Anders als in der Schule steht dabei nicht zwingend die Bewertung einer Lernleistung im Vordergrund. Bibliotheken können offene Bildungsräume anbieten, in denen junge Menschen eigene Fragen entwickeln und unterschiedliche Werkzeuge erproben.
Dafür braucht es klare und verständliche Regeln. Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten wissen, welche Systeme eingesetzt werden, welche Daten verarbeitet werden und wann eine menschliche Begleitung erforderlich ist. Ein KI-Leitbild kann helfen, Schutz, Teilhabe und selbstbestimmte Bildung miteinander zu verbinden.
Quellen
- The Decoder: New York City verbannt KI-Tools aus öffentlichen Schulen bis zur achten Klasse, 7. September 2026
- Reuters: New York verhängt einjähriges KI-Moratorium für die meisten Schülerinnen und Schüler, 2. September 2026
- City of New York: Offizielle Mitteilung zur KI-Regelung an Schulen, 2. September 2026