Recherche & Informationskompetenz

Google öffnet KI-Suche für Publisher-Opt-out – neue Fragen für Quellenzugang und Sichtbarkeit

September 8, 2026Von kontakt@andreaslanger.net

Kurzfassung: Google hat zum 31. August 2026 weltweit neue Steuerungsmöglichkeiten für Inhalte in seinen generativen Suchfunktionen (Suchangebote, die mithilfe von KI eigene Antworten formulieren) ausgerollt. Websitebetreiber können festlegen, ob ihre Inhalte in AI Overviews (automatisch erzeugte KI-Zusammenfassungen oberhalb der gewöhnlichen Suchergebnisse), im AI Mode (eine dialogorientierte Google-Suche mit ausführlichen KI-Antworten) und weiteren KI-Suchangeboten erscheinen. Dafür steht ihnen ein Opt-out (eine Möglichkeit, der Verwendung der eigenen Inhalte zu widersprechen) zur Verfügung. Gleichzeitig stellt die Google Search Console (ein kostenloses Werkzeug zur Auswertung der Sichtbarkeit einer Website bei Google) eigene Leistungsdaten für diese KI-Flächen bereit.

Was ist passiert?

Google trennt die klassische Aufnahme in den Suchindex (den Datenbestand, in dem Google gefundene Webseiten erfasst) stärker von der Nutzung in generativen Suchfunktionen. Wer sich gegen die Verwendung in AI Overviews oder im AI Mode entscheidet, soll weiterhin in klassischen Suchergebnissen erscheinen können. Die betroffenen Inhalte erhalten dann allerdings auch keine Impressionen (Einblendungen eines Suchergebnisses) oder Besucherzugriffe aus den generativen Suchbereichen.

Parallel dazu werden in der Google Search Console Berichte bereitgestellt, die zeigen sollen, wie sichtbar Inhalte innerhalb der KI-generierten Suchangebote sind. Verlage und andere Websitebetreiber erhalten damit erstmals gezieltere Anhaltspunkte dafür, welchen Anteil KI-Suchergebnisse an ihrer Reichweite haben.

Die EU-Kommission befragt Verlage zu den Auswirkungen und zur praktischen Nutzbarkeit dieser Wahlmöglichkeit. Hintergrund sind wettbewerbs- und urheberrechtliche Bedenken: KI-Zusammenfassungen können den Informationsbedarf bereits auf der Suchseite bedienen und damit Zugriffe auf die ursprünglichen Quellen verringern.

Warum ist das relevant?

Die Neuerung betrifft nicht nur große Nachrichtenhäuser. Auch kleinere Fachportale, Bildungsangebote und institutionelle Websites müssen abwägen, ob sie Reichweite in KI-Suchen gewinnen oder die generative Weiterverwendung ihrer Inhalte begrenzen wollen. Beides hat Konsequenzen: Ein Opt-out schützt Inhalte nicht automatisch vor jeder KI-Nutzung, kann aber die Auffindbarkeit in den neuen Suchoberflächen reduzieren.

Bibliotheksbezug

Für Bibliotheken berührt die Entwicklung gleich mehrere Arbeitsfelder. In der Informationskompetenz muss deutlicher zwischen einer KI-generierten Antwort, der klassischen Trefferliste und der dahinterliegenden Originalquelle unterschieden werden. Nutzende sollten lernen, Quellenlinks tatsächlich aufzurufen, Urheberschaft und Aktualität zu prüfen und fehlende Perspektiven in einer KI-Zusammenfassung zu erkennen.

Bibliotheken mit eigenen Blogs, digitalen Sammlungen oder Fachportalen müssen außerdem eine strategische Entscheidung treffen: Sollen die Inhalte in generativen Suchangeboten sichtbar sein, oder soll ihre Nutzung dort begrenzt werden? Sinnvoll ist zunächst, die neue Search-Console-Auswertung zu beobachten und die Entscheidung nicht allein aus Sorge vor KI zu treffen. Für öffentlich finanzierte Informationsangebote können Sichtbarkeit und freie Zugänglichkeit besonders wichtig sein – allerdings nur, wenn Quellen klar zugeordnet und die Originalangebote weiterhin erreicht werden.

Quellen